Hat das eigentlich jemand vorher ausprobiert?

Ich habe mich gestern mächtig geärgert: was ist so schwer daran, einen Fön zu konstruieren, den man mit leicht feuchten Fingern noch ein- und ausschalten kann? Es ist doch völlig normal, dass man beim Fönen nicht immer staubtrockene Hände hat.

„Eat your own dogfood“

Nachdem ich mich ausgeärgert hatte (selbstverliebte Designer mit Vollglatze war noch das harmloseste), meldete sich mein Wirtschaftlerhirn. Warum tun Unternehmen so etwas? Ich bin ja nicht die Einzige, die sich über vergleichbare Dinge ärgert. Von allen, denen ich meinen Ärger kundgetan habe, habe ich Vergleichbares gehört. Nun, vielleicht war ich einfach die falsche Zielgruppe, das soll vorkommen. Ich gehöre eben nicht zu den Leuten, die einen Fön zur Zierde im Bad haben.

Falls also die Zielgruppe war: „Funktionalität egal“, dann hat die Firma wohl alles richtiggemacht. Für die richtig-benutzen-Zielgruppe empfehle ich, ein Gerät unter echten Umgebungsbedingungen hinreichend probieren zu lassen, bevor es endgültig für die Produktion freigegeben wird.

Qualität heißt eben nicht nur Produktqualität, sondern auch, ob ein Produkt bestimmte Qualitäten zB in der Handhabung aufweist. Für Lebensmittel- oder Kosmetikhersteller ist Produkttestung Standard.

  • Trifft das Produkt die Bedürfnisse der Zielgruppe?
  • Erfüllt es sein Nutzenversprechen? Ist es leicht zu bedienen?
  • „Gefällt“ es in Haptik, Geschmack, Design … ? Ist es benutzerorientiert gestaltet?

Design Thinking als Ansatz

Da wären wir beim Ansatz Design Thinking: interdisziplinäres Durchdenken, Entwickeln und Testen von Produkten. Sag ich doch immer: frag einfach den Kunden und arbeite mit dem Ergebnis weiter. Hilft auch ungemein dabei, sich in den Kunden einzufühlen, wenn es um unbewusste Bedürfnisse und noch nie dagewesene Produkte geht. Außerdem lieben es Menschen, gefragt zu werden und das ist auch unter Marketinggesichtspunkten gut einsetzbar. Und einfach ist esim Zeitalter des Internets sowieso.

Wie sieht´s bei Ihnen aus? Heute schon Ihr „Hundefutter“ probiert oder einen Kunden befragt?

 

PS: Ich bin immer noch böse und werde von dieser Firma in absehbarer Zeit oder vielleicht nie wieder etwas kaufen. So. Über mich ärgere ich mich auch, weil ich dieses Mal entgegen meiner üblichen Gewohnheit nicht unter dem Stichwort Erfahrungen im Internet nachgeguckt habe. Das passiert mir auch nicht so schnell wieder. Auf jeden Fall schreibe ich eine Produktrezension … und das ist schon ein neues Thema im Zeitalter 4.0, wo 50% des Kaufprozesses schon gelaufen ist, ehe der Kunde Kontakt aufnimmt – im B2B und B2C.